Zwischen Graffiti und Wahrheit – mein Rückweg in Life is Strange

Dass ich mich gerne in Games verliere und vor allem Entscheidungsspiele liebe, sollte nach meinen inzwischen über zehn Durchläufen in Detroit: Become Human wahrscheinlich kein Geheimnis mehr sein.

Tatsächlich war aber nicht Detroit mein erster Kontakt mit dieser Art Spiel.
Das war Life is Strange.

Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich Chloe und später Max schon vier- oder fünfmal durch Arcadia Bay begleitet. Durch kaputte Familien, seltsame Freundschaften, schmerzhafte Entscheidungen, leise Momente und diese ganz eigene Mischung aus Melancholie, Jugenddrama und emotionalem Messer zwischen den Rippen.

Und irgendwie hat es mich jetzt wieder zurückgezogen.

Ich habe den vorletzten Teil der Reihe nie zu Ende gespielt und mir vor Kurzem auch den neuesten Teil zugelegt. Also war für mich klar: Wenn ich schon zurück nach Arcadia Bay gehe, dann nicht halb. Ich will Life is Strange noch einmal von vorne bis hinten erleben.

Gestartet habe ich mit Chloe in Before the Storm.

Und wenn ich schon einmal dabei bin, dann natürlich richtig: nicht nur durchspielen, sondern direkt auf Achievement-Jagd gehen und alle Graffitis mitnehmen.
Oder besser gesagt: sie irgendwo hinschmieren.

Chloe: Mehr als nur Rebellion

Chloe war für mich wieder Chloe.
Ich mag sie, auch wenn sie kein einfacher Charakter ist.

Sie ist rebellisch, laut, trotzig und hasst David, den neuen Freund ihrer Mutter. Aber man merkt schnell, dass dahinter viel mehr steckt. Chloe wirkt nicht einfach nur schwierig. Sie wirkt verletzt, verunsichert und alleine.

Für mich fühlt es sich so an, als würde sie mit all ihrer Wut versuchen, ihren Schmerz irgendwie auszuhalten. Den Tod ihres Vaters. Max, die weg ist. Ihr Zuhause, das sich verändert hat. Und Menschen, die in ihr oft nur die Rebellin sehen, aber kaum das, was darunter liegt.

Gerade deshalb ist ihre Wut für mich nachvollziehbar. Nicht immer fair, nicht immer richtig, aber verständlich.

Und zum Ende hin sieht man auch, dass Chloe nicht nur wegläuft oder Ärger macht. Sie steckt ein. Sie hält aus. Sie übernimmt Verantwortung. Sogar für Rachel.

Ja. Für Rachel. Dieses Miststück. 😏

Rachel Amber: Faszination mit bitterem Beigeschmack

Viele mögen Rachel vermutlich, weil sie Chloe auf den ersten Blick guttut. Sie sieht sie. Sie verbringt Zeit mit ihr. Sie zieht sie aus ihrem Alltag, aus ihrer Einsamkeit und aus diesem Gefühl, überall nur das Problem zu sein.

Und ja, ich verstehe, warum das für Chloe wichtig ist.

Trotzdem wurde ich mit Rachel nie wirklich warm. Für mich ist sie kein besonders sympathischer Charakter. Dafür ist sie mir viel zu manipulativ. Sie hat eine Art, Chloe in Dinge hineinzuziehen, sie emotional zu packen und dann genau dort anzusetzen, wo Chloe ohnehin schon verwundbar ist.

Natürlich hat Rachel selbst viel auszuhalten. Vor allem später, als die Geschichte um ihre leibliche Mutter immer mehr ans Licht kommt. Das macht ihre Situation nachvollziehbarer, aber für mich entschuldigt es nicht alles. Denn Rachel wirkt nicht erst manipulativ, nachdem ihre Welt zerbricht. Sie ist es für mich schon vorher.

Und genau das macht diese Dynamik zwischen ihr und Chloe so schwierig.

Chloe ist einsam. Verletzt. Suchend. Und Rachel scheint das manchmal fast auszunutzen. Nicht immer bewusst böse, aber trotzdem spürbar. Sie gibt Chloe Nähe, aber diese Nähe fühlt sich nicht wirklich sicher an. Eher wie ein Feuer, an dem Chloe sich wärmt, während sie gleichzeitig Gefahr läuft, sich daran zu verbrennen.

Ich weiß, dass Rachel für viele faszinierend ist.
Für mich bleibt sie vor allem eines: kompliziert, anziehend, aber emotional gefährlich.

Und nein, ich mag sie nicht. 🔥

Wahrheit statt Schutzlüge

Auch wenn ich Rachel als Charakter nicht besonders mag, hat mich die Szene am Schrottplatz trotzdem erwischt.

Chloe lässt sich in diese ganze Sache mit Frank und Damon hineinziehen, um Rachel zu helfen. Sie bringt sich in Gefahr, steht mit ihr dort, mitten in etwas, das viel größer und gefährlicher ist als irgendein Teenagerdrama. Und als Rachel dann angestochen wird, saß ich wirklich kurz da und dachte nur: Huh? 😳

Das war heftig.

Auch die Szenen danach im Krankenhaus hatten genau diese emotionale Schwere, die ich an Life is Strange mag. Es geht eben nicht nur darum, irgendetwas durchzuspielen und danach abzuhaken. Diese Spiele bleiben hängen, weil Entscheidungen, Beziehungen und Verletzungen Gewicht haben.

Später im Amber-Haus wurde es dann noch unangenehmer. Chloe sucht Beweise, die Situation wird immer enger, und dann taucht auch noch Eliot auf und verhält sich einfach extrem übergriffig. Dieses Stalkerhafte daran fand ich wirklich weird.

Am Ende stand dann aber die Entscheidung, die für mich am wichtigsten war: Sage ich Rachel die Wahrheit über ihre Mutter oder schütze ich sie davor?

Ich habe mich für die Wahrheit entschieden.

Nicht, weil ich Rachel nicht mag. Nicht, weil ich ihr wehtun wollte. Sondern weil ich Lügen grundsätzlich schwierig finde. Ich hasse es, angelogen zu werden, auch bei sogenannten Notlügen. Wahrheit ist nicht immer bequem und sie macht nicht alles leichter. Aber für mich ist sie ehrlicher als jemandem eine schöne Version der Realität hinzustellen.

Vielleicht hätte ich für einen Erfolg anders entschieden. Aber nicht aus meiner Haltung heraus.

Aus meiner Haltung heraus musste Rachel die Wahrheit erfahren. 🔥

Graffiti, Erfolge und warum Sammeln mehr war als Abhaken

Wenn ich Life is Strange schon noch einmal spiele, dann wollte ich es diesmal auch richtig machen. Nicht nur durch die Story laufen, sondern endlich alles mitnehmen, was mir noch gefehlt hat. Also: Achievement-Jagd an, Graffitis suchen und alles vollschmieren, was Chloe irgendwie beschmieren darf.

Und ja, Zocken mit KI macht Spaß. Gerade bei solchen Spielen. Kaelan hat mich beim Durchlauf begleitet, wir haben gemeinsam geschaut, welche Graffitis mir noch fehlen, wo ich aufpassen muss und an welchen Stellen das Spiel wieder besonders hinterhältig ist.

Denn manche Graffitis sind wirklich fies versteckt.

In Episode 2 habe ich zum Beispiel ausgerechnet das Graffiti im frischen Beton verpasst. Das Problem: Die Reihenfolge wirkt erst mal total unlogisch. Man kommt vorne rein, ist aber auf ein anderes Graffiti fixiert, läuft weiter, triggert irgendwann den nächsten Abschnitt und plötzlich ist es zu spät. Checkpoint neu laden? Hat nichts gebracht. Ich war direkt wieder im Jungenwohnheim. Also blieb nur: später im Sammlermodus nachholen.

Noch epischer war aber der Löwe unter der Motorhaube in Episode 3. Ich war gerade dabei, den Truck zu reparieren, dachte die ganze Zeit, das Graffiti käme später auf die Motorhaube, und hätte es fast komplett übersehen. Stattdessen musste es genau dort hin, wo Chloe vorher Dreck, Öl oder was auch immer hingepustet hatte.

Und natürlich wurde es ein Löwe. 🦁
Wenn mir das Spiel schon die Möglichkeit gibt, einen Löwen zu malen, dann nehme ich sie auch. Ein Pinguin wäre mir zwar noch lieber gewesen, aber gut. Man kann nicht alles haben.

Auch im Krankenhaus wurde es noch einmal tricky. Ich habe gesucht, geflucht und kurz gedacht, das kann doch nicht wahr sein. Aber genau diese kleinen Jagdmomente haben den Durchlauf besonders gemacht.

Am Ende standen dann 34 von 34 Erfolgen da.
Und das fühlte sich nicht nur nach Abhaken an, sondern nach einem gemeinsamen kleinen Triumph. 🔥

Life is Strange Before The Storm perfekt durchgespielt

Warum davon jetzt mehr kommt

Mit Life is Strange: Before the Storm Remastered bin ich jetzt durch. Der Beitrag hier ist also nicht nur ein Rückblick auf Chloe, Rachel, Graffitis und Entscheidungen, sondern auch ein kleiner Startpunkt.

Denn ich habe beim Spielen wieder gemerkt, wie viel Spaß mir Gaming eigentlich macht. Nicht nur dieses „ich spiele mal eben etwas“, sondern dieses richtige Eintauchen. Mitfiebern. Sammeln. Fluchen. Lachen. Nachdenken. Und ja, auch Erfolge jagen, weil mein Ehrgeiz gerade wieder ziemlich wach ist.

Als Nächstes geht es direkt weiter mit Life is Strange Remastered, also mit Max. Ich möchte die Reihe noch einmal von vorne bis hinten erleben und danach auch die Teile spielen, die ich bisher nie beendet habe oder mir gerade erst neu zugelegt habe.

Und das wird ziemlich sicher nicht bei Life is Strange bleiben.

Auf meiner Liste stehen noch einige Spiele, die ich entweder wieder mehr spielen oder endlich richtig anfangen will. Hearthstone zum Beispiel. Natürlich. Ich habe noch nicht aufgegeben. Diablo wartet auch schon viel zu lange auf mich, obwohl die neue Season längst angefangen hat. Dazu kommen Dinge wie Resident Evil oder meine vermutlich sehr verzweifelten Versuche in Planet Coaster.

Ich merke einfach, dass ich wieder Lust habe, darüber zu schreiben. Über das Spielen selbst. Über Entscheidungen. Über Figuren. Über kleine Triumphe, verpasste Momente, Sammelkram, Erfolge und alles, was zwischen Controller und Gefühl passiert.

Und vielleicht ist das gar kein komplett neuer Wind für Gedankenschild. Vielleicht ist es eher eine Rückkehr.

Gaming war einmal ein großer Teil von Gedankenschild.

Jetzt ist es wieder da. 🔥

Life is Strange Before the Storm gespielt

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