Was bleibt von dir, wenn andere dich jahrelang falsch erzählen?

Es gibt Geschichten über mich, die klingen, als hätte jemand meinen Namen genommen und eine fremde Person daruntergeschrieben.

Manchmal sitze ich da und höre diese Geschichten. Sie kommen über Umwege zu mir, getragen von Stimmen, die eigentlich wissen müssten, wie ich klinge. Aber was bei mir ankommt, ist ein Zerrbild. Ein seltsam verzerrtes Echo, das in den Köpfen der anderen existiert und das so gar nichts mit der Realität in meiner Brust zu tun hat. Es fühlt sich an, als würde man mir im Vorbeigehen ein Etikett auf die Stirn kleben – grob beschriftet, mit Edding, unleserlich und voller Fehler. Und während die anderen sich bereits umdrehen, ihr nächstes Ziel ansteuern und die Akte über mich für immer schließen, bleibe ich mit diesem klebrigen Papier auf der Haut zurück.

Es ist keine laute, brennende Wut, die dann hochkocht. Es ist vielmehr eine einsame, schwere Stille. Man ertappt sich bei dem reflexartigen Impuls, hinterherzulaufen. Die Hand auszustrecken, an der Schulter des anderen zu rütteln und zu sagen: „Halt stop, so war das nicht. Das bin ich nicht. Sieh doch mal richtig hin.“

Aber der Arm bleibt leer. Weil man in den Augen des Gegenübers sieht, dass sie die einfache, mundgerechte Lüge längst der komplexen Wahrheit vorgezogen haben. Sie wollen die Wahrheit gar nicht hören. Es ist bequemer, eine Schablone zu verwalten, als die ganze, tiefe Palette eines Menschen auszuhalten. Und man selbst steht da, mitten in diesem emotionalen Vakuum, und ringt mit der Frage, was schwerer wiegt: Die unendliche Erschöpfung, sich immer und immer wieder rechtfertigen zu müssen – oder der leise Schmerz, ein falsches Bild unkommentiert im Raum stehenzulassen.

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