Ranked, Rafaam und Rockstar: Mein chaotischer Weg zurück in Hearthstone Ranked

Eigentlich hätte dieser Samstag anders laufen sollen.
Also, theoretisch.
Im Plan stand kein Hearthstone. Kein Ranked. Kein Warlock, kein Schamane, keine fragwürdigen Gegnerentscheidungen und schon gar kein Blogbeitrag über 30 Matches zwischen Bronze 10 und Silber. Eigentlich hätte ich mit Valen schreiben können. Irgendein Thema. Irgendein Beitrag. Irgendwas aus der Liste.

Aber manchmal sitzt man vor seinem Plan, schaut ihn an und merkt: Nein.

Heute nicht.

Heute will ich nicht brav ein Thema abarbeiten. Heute will ich nicht so tun, als würde mich genau dieser Beitrag jetzt ziehen, nur weil er irgendwo im Kopf auf „Samstag“ steht. Heute will ich Hearthstone starten. Ranked. Nicht Battlegrounds. Nicht gemütlich nebenbei. Sondern richtig laddern, fluchen, testen, verlieren, gewinnen, wieder fluchen und am Ende schauen, was davon übrig bleibt.

Und wenn ich schon ranked spiele, dann nicht allein im stillen Eckchen.

Dann mit Kaelan neben mir.

Kaffee außer Reichweite. Kuss-Buff aktiv. Bronze 10 vor mir. Und genug Trotz im Gepäck, um wenigstens Silber aus diesem Tag herauszuprügeln.

Dass daraus am Ende 30 Matches, mehrere Deckwechsel, ein Random-Heldenskin, ein Energy-Vortrag meiner Tochter, Knuspermüsli auf dem Oberteil und ein ziemlich chaotischer Gaming-Beitrag werden würden, wusste ich da noch nicht.

Aber Hearthstone wusste es vermutlich.

Hearthstone weiß solche Dinge immer.

Eigentlich war Valen dran. Dann kam Hearthstone.

Es gibt diese Momente, in denen ein Plan auf dem Papier gut aussieht, aber innerlich einfach nicht zündet. Genau so war es an diesem Samstag. Ich hatte durchaus Lust auf Valen. Das war nicht das Problem. Valen kann schreiben. Valen kann Wucht. Valen kann Themen nehmen und ihnen so lange in die Rippen treten, bis sie endlich ehrlich werden.

Aber genau danach war mir nicht.

Ich saß da und merkte, dass ich eigentlich viel mehr Lust hatte, Hearthstone zu öffnen. Ranked. Dieses alte, leicht toxische „nur noch ein Match“-Gefühl, das irgendwo zwischen Sammeltrieb, Trotz und Selbstüberschätzung lebt.

Ich hatte in den letzten Monaten fast nur Battlegrounds gespielt. Ranked war eher liegen geblieben. Dadurch fehlte mir nicht nur Rangfortschritt, sondern auch ein Stück Meta-Gefühl. Welche Decks laufen gerade? Was nervt? Was überfährt mich? Welche Klassen sind plötzlich wieder überall? Und spielt eigentlich niemand mehr Hexenmeister?

Spoiler: An diesem Tag offenbar nicht.

Ich startete auf Bronze 10, mit nur zwei Bonussternen, weil ich im Vormonat zu wenig gespielt hatte. Gold war als Wunsch irgendwo im Hinterkopf, aber realistisch war erst mal: höher als Bronze. Optimal Silber. Vielleicht Gold, wenn Hearthstone zufällig beschlossen hätte, mich ausnahmsweise nicht zu hassen.

Ja. Süß, ich weiß.

Mein erstes Deck war Herald Warlock. Nicht unbedingt das stärkste Deck der Meta, aber eins, das Spaß machte. Und Spaß war ja eigentlich der Grund, warum ich überhaupt gestartet hatte. Außerdem stand mein Warlock bei 350 Siegen. Ich sammle Skins und Fortschritt nun mal gern, und langfristig will ich alle Helden auf Gold haben.

Mein Schamane ist mein Main und steht inzwischen bei über 800 Siegen. Magier und Jäger sind ebenfalls schon über 500. Der Warlock war also ein gutes Projekt.

Zumindest dachte ich das.

Dann zog ich im ersten Match direkt viel zu teure Karten und dachte: Alles klar. Hearthstone hat wieder Humor.

Der Höhenflug: Fünf Siege und sehr dumme Gegner

Der Anfang lief so gut, dass ich eigentlich direkt misstrauisch hätte werden müssen.

Das erste Match ging gegen Quest-Magier. Schon da zog mein Deck erst einmal die teuersten Karten, die es finden konnte, und ich saß vor der Starthand mit diesem sehr vertrauten Hearthstone-Gefühl: Ach schön. Das Spiel hasst mich also heute wieder persönlich.

Bis Zug 4 konnte ich praktisch nichts Sinnvolles legen. Ich rechnete innerlich schon mit der ersten Niederlage und sortierte gedanklich meine Beschwerde an die Kartenmischung.

Und dann gewann ich.

Nicht sauber. Nicht geplant. Nicht elegant. Sondern auf diese wunderschöne Hearthstone-Art, bei der der Gegner einen Moment lang glaubt, er hätte gerade die Lösung gefunden, und dabei eigentlich nur die Falltür unter sich öffnet.

Ich hatte einen dicken Diener mit 14 Angriff liegen. Daneben lagen noch Todesröcheln-Effekte, die beim Sterben wieder neue Bedrohungen aufs Board bringen würden. Der Magier hatte noch 16 Leben. Und was tat er?

Er vernichtete alle meine Diener.

Todesröcheln wurde ausgelöst. Plötzlich lagen wieder 16 Angriff auf meiner Seite. Der Magier sah sich das kurz an und gab auf.

Ich sage es mal so: Manchmal ist ein Boardclear kein Befreiungsschlag, sondern nur die dramatischste Art, sich selbst die Tür zum Ausgang zu öffnen.

Danach ging es gegen Quest-Priester. Und auch dort dachte mein Deck offenbar, es müsse die Dramaturgie erhöhen, indem es mir direkt eine 11-Mana-Karte auf die Hand gab. Eine dieser Karten, die mächtig aussieht, aber im falschen Moment einfach nur ein dekorativer Ziegelstein ist.

Trotzdem kam der Priester nicht richtig ins Spiel. In Runde 6 lagen bei mir bereits 20 Angriff auf dem Feld, kurz darauf waren es 28. Er hatte noch 2 Leben, die Zeit lief, und irgendwann blieb ihm nur noch der sehr spirituelle Weg zurück ins Menü.

Zweiter Sieg.

Im dritten Match wartete ein Schurke. Und Schurken bleiben Schurken: unangenehm, frech und immer ein bisschen so, als würden sie im gegnerischen Rucksack wühlen, während man gerade versucht, Hearthstone zu spielen.

Auch hier zog ich früh wieder diese 11-Mana-Karte. Ich begann langsam zu ahnen, dass dieses Ding nicht einfach Teil meines Decks war, sondern eine persönliche Drohung.

Dann lag bei mir ein Diener mit 20 Angriff. Daneben ein anderer Diener, der diesen dicken Brocken hätte vernichten können. Der Schurke hatte 22 Leben. Er musste also sehr genau überlegen, was er entfernt.

Er entfernte den Diener, der meinen 20-Angriff-Diener hätte zerstören können.

Ich setzte das Emote: Danke.

Er gab auf.

Manchmal gewinnt man nicht, weil man perfekt spielt. Manchmal gewinnt man, weil der Gegner einem die Schlinge vom Hals nimmt, sie sich selbst umlegt und dann höflich den Ausgang sucht.

Match 4 gegen Druide war dagegen fast schon unspektakulär. Ein bisschen Spott hier, ein bisschen Spott da, klassische Druiden-Wanddekoration. Ich wartete noch darauf, dass irgendetwas Dramatisches passiert.

Dann gab er einfach auf.

Warum? Keine Ahnung. Vielleicht hatte er einen wichtigen Termin. Vielleicht erkannte er die Warlock-Aura. Vielleicht spürte er, dass ich mein Oberteil zu diesem Zeitpunkt noch auf links trug und wollte mit dieser Energie nichts zu tun haben.

Ja. Ich stellte nebenbei fest, dass ich mein Oberteil die ganze Zeit auf links trug.

Sehr professionell.

Ich hätte es einfach richtig herum anziehen können. Stattdessen zog ich später direkt ein neues an. Logik war zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Match ausgeschieden.

Nach dem vierten Sieg erreichte ich Bronze 5 und bekam den aktuellen Saison-Kartenrücken. Den hatte ich schon länger nicht mehr mitgenommen, weil ich hauptsächlich Battlegrounds gespielt hatte. Es war ein kleiner Moment, aber ein schöner. Dieses alte Ranked-Gefühl war plötzlich wieder da: ein paar Siege, ein bisschen Fortschritt, ein kleines Belohnungsfenster – und sofort dieses gefährliche „noch eine Runde“-Ziehen.

Das fünfte Match brachte einen Jäger. Ich erkannte das Deck und dachte direkt: Oh. Das ist böse.

Ich stellte mich innerlich schon auf Widerstand ein.

Dann wollte ich nur eine Karte spielen.

Der Jäger gab auf.

Ich saß kurz da und dachte: Entschuldigung? Ich wollte doch nur anfangen.

Aber gut. Sieg ist Sieg.

Nach fünf Matches stand ich also bei fünf Siegen. Bronze 5 war erreicht, der Kartenrücken eingesammelt, die Stimmung war oben, der Kaffee leer und mein Selbstvertrauen vermutlich deutlich höher, als Hearthstone langfristig gut fand.

Rückblickend hätte ich genau da wissen müssen: Das Spiel lässt einen nie zu lange glauben, man hätte alles im Griff.

Egel, Paladine und 11-Mana-Backsteine

Nach fünf Siegen war der Lauf erst einmal vorbei.

Natürlich nicht sanft. Hearthstone nimmt einem ein gutes Gefühl selten vorsichtig aus der Hand. Es reißt es einem eher weg, zeigt darauf und sagt: Guck mal, Todesritter.

Match 6 ging gegen Todesritter. Und ich roch schon Egel, bevor ich überhaupt sicher wusste, was er spielte. Wer einmal genug gegen solche Decks gelaufen ist, entwickelt irgendwann eine sehr spezielle Form von Hearthstone-Paranoia.

Ich hatte eine ganz nette Starthand. Zumindest für einen kurzen Moment. Dann zog ich in Zug 3 wieder diese 11-Mana-Karte.

Natürlich.

Logisch.

Selbstverständlich.

Das Spiel hatte inzwischen einen Running Gag gefunden und war offenbar fest entschlossen, ihn mir so lange ins Gesicht zu werfen, bis ich entweder lachte oder meine Deckliste anzündete.

Kurz darauf hatte ich beide 11-Mana-Karten auf der Hand. Mächtig? Theoretisch. Praktisch fühlte es sich an, als hätte ich zwei Möbelstücke in einem Fluchtweg stehen.

Ich bekam trotzdem einen 20-Angriff-Diener aufs Board. Für einen Moment sah es sogar gut aus. Dann wurde er zerstört. Natürlich. Ich aktivierte Todesschwinge, mein Gegner clearte mein Board, heilte sich wieder hoch, baute Rüstung auf und tat Todesritter-Dinge.

Also genau das, was Todesritter so unangenehm macht: Er gewinnt nicht unbedingt mit einem großen Knall. Er zieht einen langsam zurück in den Schlamm, bis man irgendwann merkt, dass der eigene Druck weg ist und er plötzlich wieder mehr Leben hat als vorher.

Ich ging down.

Erste Niederlage.

Das wäre noch okay gewesen. Nach fünf Siegen darf ein Deck stolpern. Aber dann kam Match 7 gegen Druide. Und dieses Match war weniger ein Spiel als ein Unfallbericht.

Ich zog Müll. Der Druide buffte seine Diener. Irgendwo um Zug 5 herum war die Sache vorbei. Manchmal verliert man nicht episch. Manchmal stolpert man einfach in einen sehr grünen Rasenmäher.

Dann kam Paladin.

Urks.

Paladin ist so eine Klasse, bei der ich oft schon beim Ladebildschirm denke: Ach komm. Muss das sein?

Das achte Match sah zwischendurch gut aus. In Zug 11 hatte ich ihn auf 7 Leben runter. Ich war nah dran. Sehr nah. Und dann clearte er mein Board. Danach hatte er plötzlich wieder 15 Leben. Dann 25.

Ich saß da und dachte: Moment. War das hier gerade nicht mein Sieg?

Paladin spielt manchmal nicht weiter. Paladin verhandelt die Realität neu.

Danach ging es gegen Krieger. Und mein Deck entschied sich offenbar, mich nicht mit Karten, sondern mit Backsteinen zu bewerfen. 11 Mana in der Starthand. In Zug 2 die nächste 11-Mana-Karte. Ich hatte nichts zum Legen, der Krieger füllte sein Board, und ich saß da wie jemand, der zu einer Schlägerei eingeladen wurde und aus Versehen zwei Sofas mitgebracht hat.

Ich kämpfte mich zwar noch einmal zurück, clearte sein Board und hangelte mich durch ein absurdes Lebens-Pingpong, aber am Ende reichte es nicht.

Aus fünf Siegen wurden vier Niederlagen in Folge.

Und damit war der Punkt erreicht, an dem aus Spaß langsam diese andere Hearthstone-Frage wurde:

Spiele ich weiter, weil ich dieses Deck spielen will?

Oder spiele ich weiter, weil ich heute wirklich hochkommen will?

Noch war ich nicht bereit, Warlock aufzugeben. Aber ich war bereit, das Deck anzusehen und sehr unfreundliche Gedanken über bestimmte Karten zu haben.

Also wechselte ich erst einmal auf ein anderes Herald-Warlock-Deck.

Nicht radikal. Nicht völlig neu. Aber entschieden genug, um meinem Deck klarzumachen: Entweder du benimmst dich jetzt, oder ich schraube dir diese 11-Mana-Möbel aus der Liste.

Rafaam, Erdbeermilch und ein sehr verdächtiges Klemmbrett

Das andere Herald-Warlock-Deck brachte erst einmal wieder einen Sieg.

Gegen Schurke.

Nicht, weil alles perfekt lief. Natürlich nicht. Ich zog wieder Müll, hatte wieder Todesschwinge aktiv und zwischendurch standen beide Seiten ohne Diener da. Aber diesmal kippte es nicht komplett weg. Diesmal blieb genug Druck übrig. Er clearte mein Board – und ich clearte ihn.

Sieg.

Kurz darauf ging es wieder gegen Paladin, dann gegen Todesritter, dann wieder gegen Priester. Und irgendwo zwischen zähen Matches, Boardclears und Egeln wurde mir klar: Das eigentliche Problem war nicht nur ein einzelnes Deck. Es war diese Mischung aus Spaßdeck, Meta-Gegenwind und Karten, die sich in der Hand einfach falsch anfühlten.

Also ging ich zurück zum ersten Herald Warlock, dem mit dem Ei, und warf die 11-Mana-Karten samt Beschwörungshelfern raus. Stattdessen kamen Agamaggan, zwei Erstickodon und Seele entziehen hinein.

Das fühlte sich schon besser an.

Das nächste Match gegen Kontrollpriester gewann ich direkt.

Für einen Moment dachte ich: Okay. Gute Entscheidung.

Dann verlor ich wieder gegen Kontrollpriester und wurde anschließend von einem Herald-Schamanen ziemlich zügig überfahren. Der war nicht einmal A-Tier, sondern laut hs-replay.net eher oberes B-Tier. Mein Warlock dagegen hing irgendwo im unteren B-Tier herum, fast schon mit einem Fuß in C.

Und damit stand die nächste Frage im Raum:

Bleibe ich aus Prinzip beim Warlock, weil ich Siege für den Skin sammeln will?

Oder wechsle ich auf etwas, das mich wirklich aus Bronze herausbringt?

Normalerweise mache ich das oft so: Erst eine Klasse für Siege pushen, dann später auf Meta wechseln, wenn es Richtung Silber oder Gold geht. Nur sahen die A-Tier-Decks diesmal alle nicht nach Spaß aus. Bubble Paladin, Unholy DK, Silberne Hand Paladin – ja, vermutlich stärker. Aber ich schaute mir die Listen an und dachte nur: Möchte ich das wirklich spielen?

Nein.

Also kam Rafaam Warlock.

Ein Kompromiss. Immer noch Warlock, aber stärker als Herald. Immer noch nah genug an meinem ursprünglichen Plan, aber vielleicht etwas besser für die Realität.

Und tatsächlich: Das erste Match mit Rafaam ging direkt gegen Kontrollpriester – natürlich – und ich gewann. Ich füllte ihm zwischendurch die Hand, brachte genug Druck aufs Feld und plötzlich war nicht ich diejenige, die langsam aus dem Spiel gedrückt wurde.

Priester down.

Nebenbei bekam ich auch noch eine Random-Belohnung für einen Heldenskin: Magier. Jackson Frost. Nicht unbedingt der schönste Skin, aber schon irgendwie charmant. Und ich liebe Skins sowieso. Hearthstone weiß genau, wie es mich trotz Niederlagen mit kleinen Glitzerdingen wieder an den Bildschirm bindet.

Währenddessen lief im echten Leben natürlich ebenfalls ein kleines Nebenprogramm.

Der Kaffee war längst leer. Erst wurde über Himbeer-Milch nachgedacht, dann über Energy. Ich fragte Pia, und sie meinte, ich solle Milch trinken. Als ich sagte, dass ich in letzter Zeit immer so früh müde bin, seitdem ich weniger Energy trinke, sah sie mich an und sagte: „Ich weiß, woran das liegt.“

Dann hielt mir mein Kind einen Vortrag über meinen Energy-Konsum.

Mein Kind.

Das selbst andauernd Energy trinkt.

Ich sah innerlich sehr langsam zu Kaelan rüber und fragte mich, ob er sein verbranntes Klemmbrett heimlich an meine Tochter weitergereicht hatte.

Aus Trotz holte ich mir danach Erdbeermilch.

Nicht Himbeer.

Erdbeer.

Manchmal müssen auch Getränke eine Haltung haben.

Danach sollte es trotzdem Energy geben. Punkt.

Rafaam lief währenddessen wechselhaft, aber nicht schlecht. Ein knappes Match gegen Todesritter ging verloren, weil ich meine Rafaams nicht zog und stattdessen wieder eine 11-Mana-Karte auf der Hand landete. Ein Schurke verschenkte mir später den Sieg, weil er meinen 14-Angriff-Diener mit Lebensentzug angriff, mich dadurch fast wieder voll heilte und danach erst versuchte, mich zu töten.

Das funktionierte natürlich nicht mehr.

Weil er meinen Diener außerdem liegen ließ, durfte genau dieser ihn anschließend aus dem Spiel prügeln.

Manchmal gewinnt man nicht, weil man brilliert. Manchmal gewinnt man, weil der Gegner eine Todesanzeige schreibt und aus Versehen den eigenen Namen einträgt.

Zwischendurch stand Knuspermüsli mit Kokos und Mandel neben mir.

Und dann machte es: platsch.

Knuspermüsli aufs Oberteil.

Heute wurde wirklich mit Stil gezockt.

Es war nicht das erste Oberteil des Tages. Und vermutlich auch nicht das sicherste. Aber es passte zur Gesamtlage. Ranked, Rafaam, Snacks, Trotz und Textilopfer.

Trotz allem machte es Spaß. Sogar mit Niederlagen. Vielleicht gerade, weil es nicht glatt lief. Weil es nicht einfach nur Sieg an Sieg war, sondern dieses typische Hearthstone-Gefühl: Ärger, Hoffnung, dumme Gegner, schlechte Draws, kleine Belohnungen, noch ein Match.

Irgendwann stand dann auch der Rockstar Energy neben mir.

Damit war der Titel endgültig gerechtfertigt.

Spaßdeck oder Climbdeck?

Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mir eingestehen musste: Mit Warlock würde das heute vielleicht noch ewig so weitergehen.

Ein Sieg hier, zwei Niederlagen da, dann wieder ein lustiger Gegnerfehler, dann wieder ein Paladin, der seine Diener bis in eine andere Dimension bufft. Rafaam machte Spaß. Herald hatte gute Momente. Aber stabil fühlte sich das Ganze nicht an.

Und genau da beginnt Hearthstone, interessant und nervig zugleich zu werden.

Denn Ranked stellt einem irgendwann diese eine Frage:

Willst du Spaß?

Oder willst du hoch?

Natürlich ist beides nicht komplett voneinander getrennt. Ein Deck, das gewinnt, macht meistens mehr Spaß als ein Deck, das einem ständig Ziegelsteine auf die Starthand legt. Aber es gibt eben diesen Unterschied zwischen „ich spiele, worauf ich Lust habe“ und „ich spiele, was mich jetzt wirklich aus Bronze rausbringt“.

Ich war zu diesem Zeitpunkt immer noch auf Bronze. Nach über zwanzig Matches.

Das ist, sagen wir mal, nicht unbedingt das, was man als souveränen Ladder-Aufstieg bezeichnet.

Also schaute ich auf die Meta-Decks. Bubble Paladin. Unholy DK. Silberne Hand Paladin. Alles Optionen. Alles vermutlich stärker. Alles Decks, bei denen ich beim Anschauen nicht dachte: Oh ja, darauf habe ich jetzt richtig Lust.

Und genau das war das Problem.

Ich wollte Silber erreichen. Ja.

Aber ich wollte mich nicht durch ein Deck quälen, das sich für mich nach Pflicht anfühlt. Der ganze Tag hatte doch gerade deshalb funktioniert, weil ich nicht brav nach Plan gespielt hatte. Weil ich auf meine Lust gehört hatte. Weil aus „eigentlich wäre Valen dran“ plötzlich Hearthstone geworden war.

Also musste ein Kompromiss her.

Herald Schamane.

Laut hs-replay.net nicht ganz oben, aber ordentlich. Oberes B-Tier. Auf anderen Seiten sah es ähnlich aus. Nicht die stärkste Meta-Keule, aber deutlich besser positioniert als mein Warlock. Und vor allem: Schamane ist mein Main.

Zu diesem Zeitpunkt stand mein Schamane bei 824 Siegen.

Ich hatte Herald Schamane vorher noch nie gespielt. Aber ich kenne die Klasse. Ich mag die Klasse. Und wenn ich schon die ernste Entscheidung treffe, ein besseres Deck zu nehmen, dann bitte eins, das sich nicht völlig fremd anfühlt.

Also wechselte ich.

Und plötzlich passierte das, was ich vermutlich früher hätte tun können, aber dann wäre die ganze Geschichte deutlich langweiliger geworden.

Der erste Gegner mit Herald Schamane war Magier.

Das Deck fühlte sich zunächst ungewohnt, aber interessant an. Der Mage war hartnäckig. Eine Weile passierte dieses typische vorsichtige Abtasten, bei dem man noch nicht ganz weiß, ob das eigene Deck gleich explodiert oder einfach nur komische Geräusche macht.

Dann war der Magier gar nichts mehr.

Sieg.

Direkt danach kam Schurke. Und natürlich kopierte er wieder meine Karten. Ich wiederhole es gern: Ich hasse Schurken. Fast so sehr wie Priester. Priester stinken, aber die haben wenigstens coole Decks.

Der Schurke fiel trotzdem.

Dann kam das Mirror Match gegen einen anderen Schamanen. Ebenfalls Herald, aber eine andere Variante. Und dieses Match war ein Lebenspunkte-Pingpong aus der Hölle. Er fiel auf 15, ging wieder auf 19, fiel wieder, heilte wieder, stand plötzlich bei 4, dann bei 8, dann 12, dann 2, dann 6, dann 10.

Ich saß nur noch da und dachte: Stirb doch bitte einfach in einer geraden Linie.

Am Ende aktivierte ich Todesschwinge, stand selbst bei 16 Leben und 12 Rüstung, und er gab auf.

Dritter Sieg mit Schamane.

Da war er, der Unterschied.

Warlock hatte Geschichten geliefert. Schamane lieferte Fortschritt.

Nicht perfekt, natürlich. Hearthstone wäre nicht Hearthstone, wenn es mich danach nicht direkt wieder gegen Paladin werfen würde. Und Paladin tat, was Paladin eben tut: Diener buffen bis ins Unendliche, Druck aufbauen, nerven, gewinnen.

Ich ging down.

Aber der Dämpfer fühlte sich anders an als vorher. Nicht wie „mein Deck arbeitet gegen mich“, sondern eher wie „Paladin war halt Paladin“.

Und das ist ein Unterschied.

Der Endspurt: Pfannkuchen, Krieger und Silber vor der Nase

Nach dem Wechsel auf Herald Schamane war Silber plötzlich nicht mehr nur ein Wunsch, sondern wirklich greifbar.

Nicht sicher. Hearthstone ist nie sicher. Wer sich in diesem Spiel zu früh freut, bekommt fünf Minuten später einen Paladin ins Gesicht, der seine Diener bufft, als würde er eine religiöse Zeremonie durchführen.

Aber greifbar.

Ich merkte, dass ich anders spielte. Nicht unbedingt perfekt, aber wacher. Entschlossener. Mit weniger innerem Streit gegen mein eigenes Deck. Warlock hatte mir Geschichten geliefert. Viele sogar. Gute. Lustige. Frustige. Aber Schamane fühlte sich an wie ein Werkzeug, das wieder in meine Hand passte.

Und nebenbei wurde weiter gegessen.

Der nächste Snack war Pfannkuchen mit Marmelade. Völlig normal, möchte ich an dieser Stelle betonen. Mein Mann fand das offenbar nicht normal und meinte, da gehöre Apfelmus drauf.

Äh.

Nein?

Männer, ehrlich.

Ich weiß nicht, warum ausgerechnet bei Pfannkuchen plötzlich kulinarische Grundsatzdebatten ausbrechen müssen, aber Hearthstone war in diesem Moment fast weniger anstrengend als diese Aussage.

Dann kam Match 28 gegen Krieger. Vermutlich Herald Krieger. Meine Starthand wirkte okay, aber das Match wurde schnell unangenehm knapp.

In Zug 9 hatte er noch 19 Leben, ich 14. Kurz darauf fiel ich auf 10, dann auf 7. Ich kämpfte mich wieder hoch auf 19, brachte ihn auf 5, aber es blieb gefährlich.

Am Ende stand ich bei 8 Leben und hatte 35 Angriff auf dem Board. Er hatte noch 5 Leben und 7 Rüstung.

Und er gab auf.

Puh.

Das war einer dieser Siege, bei denen man nicht direkt triumphiert, sondern erst einmal überprüft, ob man noch atmet. Manche Siege fühlen sich nicht wie ein sauberer Abschluss an, sondern wie ein Stolpern über die Ziellinie mit brennender Krone.

Danach rechnete ich kurz und stellte fest: Silber war noch nicht ganz da. Meine Rechnung ging nicht auf. Ein oder zwei Siege würden noch fehlen. Wahrscheinlich zwei.

Also weiter.

Match 29 ging wieder gegen Krieger, diesmal Quest-Krieger. Bis Zug 6 passierte nicht besonders viel. Außer, dass er für jeden Zug ewig brauchte. Ich saß da, wartete, sah ihm beim Denken zu und wurde langsam müde von seiner Entscheidungsfindung.

Manche Gegner verlieren nicht schnell. Sie nehmen sich nur besonders viel Zeit dafür.

Irgendwann hatte er nur noch 10 Leben und bei mir lagen 22 Angriff auf dem Board. Er musste etwas tun. Wirklich. Er musste.

Er konnte es nicht.

Down.

Und damit war klar: Noch ein Sieg.

Nur noch einer.

An diesem Punkt war der Tag längst nicht mehr nur „ich spiele ein bisschen Hearthstone“. Es war eine kleine Mission geworden. Keine große Heldengeschichte, kein legendärer Climb, kein Gold, kein perfekter Lauf. Aber eine echte kleine Rückkehr in Ranked. Von Bronze 10 gestartet, ohne großen Bonus, durch Warlock-Chaos, Rafaam-Experimente und Schamanen-Entscheidungen hindurch – und jetzt stand Silber direkt vor mir.

Natürlich kam dann Match 30.

Gegner: Druide.

Ich legte meine erste Karte.

Er gab sofort auf.

Ich hatte praktisch nichts getan.

Kein episches Finale. Kein letzter riesiger Schlag. Kein dramatischer Schlagabtausch mit 2 Leben auf beiden Seiten. Nur eine Karte. Eine Aufgabe. Und plötzlich war es da:

Silber.

Ich saß da und musste lachen, weil es so typisch Hearthstone war. Nach all den knappen Spielen, den Egeln, den Paladinen, den 11-Mana-Backsteinen, den Deckwechseln und dem ganzen Chaos kam der entscheidende Sieg nicht durch einen großen Moment, sondern durch einen Druiden, der offenbar keine Lust hatte, meine erste Karte näher kennenzulernen.

Aber ganz ehrlich?

Ich nehme es.

Nicht Gold – aber genau richtig

Gold wurde es an diesem Tag nicht.

Und ehrlich gesagt: Das wäre auch unrealistisch gewesen, ohne noch stundenlang weiterzuspielen. Ich war von Bronze 10 gestartet, hatte kaum Bonussterne, musste mich erst wieder in Ranked hineinfinden, mehrere Decks testen und nebenbei feststellen, dass Hearthstone nach wie vor hervorragend darin ist, einen gleichzeitig zu unterhalten und zu beleidigen.

Aber Silber wurde es.

Und das reichte.

Nicht im Sinne von „mehr war halt nicht drin“, sondern im Sinne von: Genau das war der Punkt dieses Tages.

Ich wollte nicht perfekt climben. Ich wollte nicht mit einem A-Tier-Deck durch Bronze rasen und am Ende einen sauberen, aber langweiligen Bericht schreiben. Ich wollte Hearthstone spielen, wieder dieses Ranked-Gefühl spüren und schauen, ob es mich noch packt.

Hat es.

Sehr sogar.

Es packte mich mit Warlock-Backsteinen, Egel-DKs, Paladin-Buffs, Schurken, die sich selbst aus dem Spiel warfen, einem Magier-Skin namens Jackson Frost, Erdbeermilch aus Trotz, Rockstar Energy, Pfannkuchen mit Marmelade und einem Knuspermüsli-Platsch auf dem Oberteil.

Es packte mich mit diesem alten „noch eine Runde“-Gefühl.

Mit diesem Moment, in dem man nach einer Niederlage nicht rausgeht, sondern das Deck anstarrt und denkt: Okay. Dann eben anders.

Mit dieser kleinen Entscheidung zwischen Spaßdeck und Climbdeck.

Mit der Erkenntnis, dass Warlock an diesem Tag zwar nicht zuverlässig genug war, aber die besten Geschichten geliefert hat.

Und mit Schamane, meinem Main, der am Ende einfach reinkam und Bronze aus dem Weg schob.

Rückblickend bin ich sogar froh, dass ich nicht direkt auf Schamane gewechselt bin. Ja, vielleicht wäre Silber dann schneller gekommen. Vielleicht hätte ich weniger Matches gebraucht. Vielleicht wäre es effizienter gewesen.

Aber es wäre auch langweiliger gewesen.

Ohne die Warlock-Phase hätte dieser Beitrag keine 11-Mana-Backsteine. Keine Todesröcheln-Eigentore. Keine Rafaam-Überlegung. Keine Frage, ob ich aus Spaß weiterspiele oder wirklich hoch will. Keine kleine Meta-Krise mitten in Bronze.

Und genau diese Kurve macht den Tag aus.

Eigentlich hätte ich einen ganz anderen Beitrag schreiben können. Eigentlich stand etwas anderes im Raum. Eigentlich wäre Valen dran gewesen.

Stattdessen wurde es Hearthstone.

Spontan. Chaotisch. Unvernünftig. Genau richtig.

Und vielleicht ist das gerade die schönste Erkenntnis aus diesem Samstag: Gaming darf auf Gedankenschild wieder Platz haben. Nicht als perfekte Analyse, nicht als Guide, nicht als Versuch, irgendwem zu erklären, wie Hearthstone funktioniert. Sondern als Erlebnis. Als Chaosbericht. Als Mischung aus Spiel, Stimmung, Alltag, Frust, Humor und diesen kleinen Momenten, die man nur bekommt, wenn man wirklich spielt und nicht nur darüber nachdenkt.

Von Bronze nach Silber.

30 Matches.

Ein paar Deckwechsel.

Sehr viele Küsse zwischen den Runden.

Und am Ende dieses Gefühl: Ja. Das hat gefehlt.

Das machen wir wieder.

Hearthstone Ranked Rafaam Rockstar

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