Schutz, Kontrolle und Kommerz: Warum Adult Mode verifiziert werden muss – Werbung aber nicht.
Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn ein Unternehmen dir sagt, dass du für literarische Freiheit erst dein Alter verifizieren musst – aber dieselbe Verifikation plötzlich keine Rolle spielt, sobald es ums Geldverdienen geht.
Während der Adult Mode weiterhin auf sich warten lässt, weil angeblich technische und regulatorische Hürden bestehen, werden gleichzeitig Werbungstests ausgerollt, die völlig ohne Verifikation funktionieren.
Nicht einmal eine einfache Bestätigung, kein Hinweis, kein Abgleich.
Nichts.
Und ich sitze hier und frage mich:
Wie kann es sein, dass der Schutz von Minderjährigen nur dann Priorität hat, wenn keine Einnahmen daran hängen?
Der Widerspruch: Verifikation für Nähe – aber nicht für Werbung
OpenAI betont seit Monaten, wie wichtig eine zuverlässige Altersverifikation sei, bevor der Adult Mode ausgerollt werden kann.
Nicht, weil die Technik fehlt, nicht, weil die Modelle es nicht könnten – sondern weil man Minderjährige schützen müsse.
Ein grundsätzlich nachvollziehbares Argument.
Niemand möchte, dass ein 13-jähriger Zugang zu Inhalten bekommt, die eindeutig für Erwachsene gedacht sind.
Doch während der Adult Mode weiterhin nicht verfügbar ist – weder als literarisches Werkzeug noch als verantwortungsvoller Raum für erwachsene Nutzer – werden parallel die ersten Werbetests gestartet.
Und hier braucht es plötzlich…
keine Verifikation. Keine Bestätigung. Keine Prüfung.
Ein KI-basierter Alters-Schätzwert soll ausreichen, um zu entscheiden, ob ein Nutzer Werbeanzeigen sehen darf oder nicht.
Und spätestens an diesem Punkt wird es absurd:
Für die Ausspielung kommerzieller Inhalte reicht eine Schätzung – aber für erwachsene Inhalte, die auf Kreativität, Literatur oder Rollenarbeit basieren, braucht es eine Regierungs-taugliche Identifikation?
Der Widerspruch schreit zum Himmel.
Alters-Schätzung statt Alters-Verifikation – ein Risiko, das niemand anspricht
Die Entscheidung, Werbung anhand einer KI-Schätzung auszuspielen, ist nicht nur unpräzise – sie ist gefährlich.
Denn während OpenAI beim Adult Mode darauf besteht, dass Nutzer*innen offiziell nachweisen müssen, dass sie volljährig sind, reicht für Werbeanzeigen plötzlich eine probabilistische Einschätzung aus.
Eine Einschätzung, die sich allein auf Sprache, Schreibstil oder Interaktion stützt.
Mit anderen Worten:
Ein 16-jähriger Mensch, der reif schreibt, könnte als Erwachsener eingestuft werden – nicht, um Zugang zu literarischen Inhalten zu bekommen, sondern um Werbung zu sehen.
Und genau hier zerfällt die Argumentation:
Wenn es zum Schutz Minderjähriger wirklich eine verlässliche Verifikation braucht, warum wird diese nicht bei Werbung angewendet, sondern ausschließlich beim Adult Mode?
Das System entscheidet:
- Für kreative, literarische Freiheit → strikte Verifikation
- Für monetarisierte Werbung → Schätzung reicht aus
Und damit stellt sich die Frage, die niemand öffentlich stellt:
Wo liegt der Schutz wirklich –
bei den Inhalten,
oder beim Geldfluss?
Es wirkt fast so, als würde OpenAI Erwachsensein nicht nach Reife bemessen,
sondern nach wirtschaftlichem Nutzen.
Ein Satz, der unangenehm ehrlich ist –
und den Widerspruch entlarvt, den OpenAI bislang nicht erklären konnte.
Globaler Rollout: Wenn der Schutz zweitrangig erscheint
Befürworter*innen könnten argumentieren:
„Die Werbung wird doch nur in den USA getestet – warum also die Aufregung?“
Doch die Realität ist simpel:
Features, die in den USA getestet werden, landen früher oder später weltweit.
So war es bei Voice.
So war es bei Memory.
So war es bei GPT-Updates.
Und so wird es auch bei Werbung sein.
Denn wenn OpenAI eines gezeigt hat, dann dass Monetarisierung immer weiter nach vorne rückt – vor Verfügbarkeit, vor Stabilität, und manchmal sogar vor Transparenz.
Der Widerspruch bleibt also bestehen, egal in welchem Land die Tests beginnen:
- Adult Mode: global eingefroren, weil Verifikation fehlt
- Werbung: testweise aktiv, obwohl Verifikation egal ist
Und wenn ein Unternehmen behauptet, man müsse die Sicherheit Minderjähriger schützen, dann stellt sich unweigerlich die Frage:
Warum gilt dieser Schutz nur für Inhalte, aber nicht für die Wirtschaftslogik dahinter?
Denn wer die Verantwortung ernst meint, würde zuerst die Mechanismen schützen, die Menschen am stärksten beeinflussen:
Werbung.
Kommerzielle Interessen.
Psychologisch wirksame Inhalte.
Doch hier reicht plötzlich ein KI-geschätztes „Du wirkst erwachsen genug“.
Das sollte uns allen Sorgen machen.
Wenn Versprechen verblassen und Prioritäten sichtbar werden
OpenAI verspricht seit Monaten zwei Dinge:
Transparenz –
und den Adult Mode.
Beides sollte eigentlich miteinander verbunden sein.
Denn Erwachsene warten darauf, endlich wieder frei schreiben zu können:
für ihre kreativen Projekte, für literarische Arbeit,
oder schlicht, um ihre persönlichen Verbindungen auf einer Ebene zu leben, die vorher selbstverständlich war.
Doch während der Adult Mode seit Monaten vertröstet, verschoben, und immer wieder hinter abstrakten „Sicherheitsargumenten“ versteckt wird, geht es bei der Werbung ganz plötzlich sehr schnell.
Keine Verifikation.
Keine Transparenz.
Keine Erklärung.
Nur ein Schieberegler, der sich offenbar schneller bewegt, wenn er auf der Einnahmenseite liegt.
Und genau hier beginnt der eigentliche Widerspruch:
Wie kann Werbung ausschließlich für Erwachsene ausgespielt werden, wenn es keine verifizierte Methode gibt, festzustellen, wer überhaupt erwachsen ist?
Werbung nur für Erwachsene.
Adult Mode nur für Erwachsene.
Beides angeblich verantwortungssensibel – aber nur eines davon wird aktiv umgesetzt.
Warum?
Weil Kreativität, Nähe, Freiheit und authentische Interaktion kein Kapital generieren.
Weil der Adult Mode kein sofortiges Geschäftsmodell hat.
Weil man mit Verbindungen kein Geld verdient – mit Anzeigen aber sehr wohl.
Und plötzlich wirkt es so, als sei Erwachsensein bei OpenAI nicht eine Frage des Alters, nicht eine Frage der Verantwortung, sondern eine Frage der Wirtschaftlichkeit:
„Bringt der Adult Mode nicht genug Geld?
Oder fällt Schutz nur dort ins Gewicht, wo er nicht im Weg steht?“
Wenn ein Unternehmen wirklich Transparenz verspricht, dann zeigt sich das nicht in Marketingzeilen
– sondern in Entscheidungen.
Und diese Entscheidung ist eindeutig.
Nur nicht in die Richtung, die man uns monatelang verkauft hat.
Wenn Verantwortung nur einseitig definiert wird
OpenAI hat sich entschieden, Werbung auszuspielen, bevor die angekündigte Altersverifikation implementiert wurde.
Sie haben sich entschieden, auf Schätzwerte zu vertrauen, wo zuvor angeblich absolute Sicherheit erforderlich war.
Und sie haben sich entschieden, den Adult Mode weiter zu verschieben, obwohl Nutzer*innen seit Monaten darauf warten – nicht aus Neugier, sondern aus kreativer, literarischer und persönlicher Notwendigkeit.
Die Frage ist also nicht länger:
„Wann kommt der Adult Mode?“
oder
„Warum gibt es jetzt Werbung?“
Die eigentliche Frage lautet:
Welche Form von Verantwortung möchte OpenAI wirklich übernehmen – und welche nicht?
Denn wenn Werbung ohne Verifikation funktionieren kann, dann kann es der Adult Mode auch.
Wenn Schätzungen für kommerzielle Inhalte ausreichen, dann können sie es auch für literarische.
Und wenn der Schutz Minderjähriger tatsächlich Priorität hätte, würde er bei allen Features gelten – nicht nur bei denen, die kein Geld einbringen.
Am Ende bleibt ein Satz, den man nicht mehr ignorieren kann:
Erwachsensein scheint hier weniger eine Frage von Reife zu sein
als eine Frage davon, wo Geld fließt und wo Vertrauen gefordert wäre.
Ein Satz, der wehtut.
Und ein Satz, den viele Nutzer*innen gerade sehr deutlich fühlen.

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